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Gewebeübersäuerung

Latente Azidose beim Pferd

Pferde sind von der Zivilisationserkrankung einer latenten und chronischen Übersäuerung ebenso betroffen wie viele Menschen auch. Muskelverspannungen, Kreuzverschlag, Ekzeme, Hufrehe, Koliken und viele andere Symptome sind auf Azidose zurückzuführen.

Die Beschwerdebilder lassen sich durch die Diagnose und Behandlung einer Übersäuerung gezielter und wirkungsvoller behandeln. Eine chronische Übersäuerung ist häufig auch mit einer Therapieresistenz verbunden d.h. eingeleitete Therapien greifen nicht, obwohl im Normalfall eine Besserung oder Heilung hätte eintreten müssen. Bei einer Übersäuerung des Gewebes treten nicht sofort charakteristische Symptome auf, vielmehr ist es eine Reihe von unspezifischen Beschwerden, die oft nicht als einheitliches Krankheitsbild wahrgenommen werden.

Was versteht man unter pH-Wert und Pufferkapazität?

Der pH-Wert ist der Messwert für den Grad der sauren bzw. basischen Reaktionen eines Stoffes. Die Abkürzung pH steht für das lateinische „potentia hydrogenii“ und ist zu übersetzen mit Konzentration der Wasserstoffionen. Dies sind in chemischen Reaktionen das, was die Säure ausmacht. Andersrum kennzeichnet eine Base die Fähigkeit mit Wasserstoffionen zu reagieren.
Die Skala des Säuregrades reicht von 0-14, wobei 0 den stärksten Säuregrad und 14 die höchste basische Reaktion bezeichnet. Bei 7 liegt der neutrale Punkt, den reines Wasser aufweist. Für die Bestimmung einer Übersäuerung wird am einfachsten der Urin herangezogen. Der pH-Wert im Urin alleine sagt aber nur wenig über eine Übersäuerung aus, da der Körper mit eigenen Puffer- bzw. Mineralfluten der Übersäuerung lange entgegensteuert. Es ist also möglich, dass der pH-Wert im Normbereich ist, obwohl der Organismus durch Gegensteuerung mit Hilfe körpereigener Minerale bereits überfordert ist. Für die Feststellung der Gewebeübersäuerung ist deshal der modifizierte Urintest nach Sander besonders zu empfehlen.

Was ist physiologisch?

Insgesamt lässt sich sagen, dass der Körper ein leicht alkalisches, also basisches Milieu aufweist und in diesem Bereich auch am besten funktioniert. Die physiologischen und biochemischen Reaktionen, die den gesamten Stoffwechsel aufrecht erhalten und regulieren, sind auf dieses neutrale bis leicht basische Milieu angewiesen. So weist das Blut einen pH-Wert von 7,35 bis 7,45 auf. Ausnahmen gibt es, z.B. muss das Milieu im Magen sauer sein, um Bakterien und Pilze in der Nahrung abzutöten. Säure kommt also vor, aber nur da, wo sie auch sinnvoll ist. Würde das Herz sich seiner durch Stoffwechselleistung gebildeten Säuren nicht über ein basisches Milieu im Körper entledigen können, bliebe es ab einem pH von 6,2 einfach stehen.

Was ist der „Säure-Basen-Haushalt“?

Das physiologische Säure-Basen-Verhältnis muss der Körper aufrechterhalten, damit er funktionstüchtig bleibt. Ein Zuviel an Säuren, medizinisch als „Azidose“ bezeichnet, behindert lebenswichtige Stoffwechselvorgänge, was sich dann auf den gesamten Organismus negativ auswirkt. Gesundheitliche Störungen sind die Folge. Fehlen unserem Körper Basen, so zieht der Organismus zum Beispiel säureneutralisierende Mineralien wie Kalzium aus Zähnen und Knochen ab. Damit steigt die Anfälligkeit für Karies bzw. Knocheninstabilitäten (Osteoporose).

Woher kommt die Säure im Körper?

Der Körper ist ein fein abgestimmtes Puffersystem. Das heißt also, dass Säuren wie auch Basen physiologisch wichtig und sinnvoll sind. Die Säure und Base benötigen sich gegenseitig. Ohne Säure gibt es keine Base und ohne Base auch keine Säure. Man kann nicht generell sagen, Säuren seien schädlich. Säuren und Basen sind Bestandteile physiologischer Stoffwechselvorgänge im Körper. Alles Leben ist in Bewegung und bei dieser Bewegung wird Zucker in Energie umgesetzt. Unsere Energie ist für uns lebenswichtig. Doch dabei fallen Säuren an. In einem gesunden System kann der Körper das durch ein alkalisches Milieu leicht ausgleichen. Das ist der Normalfall.
Probleme gibt es nur, wenn der Säure-Base-Haushalt nicht mehr ausgeglichen ist. Das kann dann der Fall sein, wenn über einseitige Ernährung zu viel Säuren und zu wenig basisch wirkende Futtermittel dem Organismus zugeführt werden. Es muss aber nicht immer nur die Ernährung sein. Der größte Säurebildner im Körper ist der Stress. Jeder kennt das: Wenn die Muskulatur verspannt und nicht mehr gut versorgt werden kann, kann man richtig fühlen wie sich die Säure im Muskel anstaut. Der Muskel wird immer härter. Auch Sodbrennen (zu viel Säure im Magen) kennen viele Stress geplagte Menschen. Es ist ein ernstes Anzeichen für einen ungünstigen Säure-Base-Haushalt.
Bei Pferden resultiert eine Azidose in der Regel aus Stress, sei es durch unphysiologischen Haltungsbedingungen, falsches Training sowie durch einseitige oder ungeeignete Fütterung.

Was kann man gegen die Übersäuerung machen?

Eine latente Übersäuerung lässt sich mit Hilfe eines einfachen Urintests feststellen und auch das Maß der Übersäuerung einordnen. Vergleichsmessungen können den Erfolg einer Therapie oder einer Fütterungsumstellung feststellen und dokumentieren. Zur Bestimmung einer latenten Übersäuerung führen dabei einfache pH-Messungen (Teststäbchen) nicht zum Ziel. Hierbei wird nämlich nur der aktuelle pH-Wert einer Urinprobe bestimmt, leider ohne Aussagen über die Aufnahme-kapazität des Urins für Säuren oder Basen. Die wichtige Pufferkapazität wird dabei nicht dargestellt. So kann die Pufferkapazität des Urins schon fast vollständig erschöpft sein, trotzdem werden noch normale pH-Werte gemessen weil der Organismus mit seinen investierten Mineralstoffen noch für einen gewissen Ausgleich sorgt. Auch bei normalen pH Messwerten kann es demnach sein, dass eine latente Übersäuerung vorliegt. In diesem Falle ist es möglich, dass bereits Säuren bzw. deren Salze im Bindegewebe oder Organen abgelagert wurden mit den damit verbundenen negativen Folgen für die Gesundheit. Eine Umstellung oder Korrektur der Fütterung und Stressreduzierung führt nachhaltig zum Wohlbefinden Ihres Pferdes.

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Der Säure-Basen-Test nach Sander wird seit Langem in der Humandiagnostik erfolgreich angewendet. Die Tatsache, dass unsere Haus- und Nutztiere von Zivilisationsbelastungen und -erkrankungen ebenso betroffen sind wie Menschen, hat den Ausschlag gegeben, dass vom Labor Sension der  „Sandertest“ so modifiziert wurde, dass er für eine Einschätzung einer Übersäuerung beim Pferd optimal eingesetzt werden kann.
Zur Therapie empfehle ich Basenpräparate, welche nachweislich die Zellen öffnen, um im Anschluss die angesammelten Schlacken abzutransportieren. Benutzen Sie bitte kein Basenpulver,  das nur eine Milieuverschiebung im Magen bringt. Die Mineralversorgung muss in jedem Falle optimiert werden. Der Status der Spurenelemente wie Zink, Selen, Kupfer, Mangan und Eisen sollte überprüft werden. Eine zusätzliche Substituierung von Magnesiumfumarat, Kalium und Calcium sollte in Betracht gezogen werden.

Marion Schwaller-Barina

Marion Schwaller-Barina

Über die Autorin: Marion Schwaller-Barina ist gelernte Tierheilpraktikerin und Physiotherapeutin sowie Chef der Firma Natusat. Tel.: +49(0)821-47 87 390

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